Philatelistische Bibliothek Hamburg e. V.

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Buchtipps

Wir veröffentlichen von Zeit zu Zeit Buchempfehlungen aus der Philatelistischen Bibliothek Hamburg. Da Neuerscheinungen meist in den einschlägigen Blättern besprochen werden, ist unser Focus in erster Linie auf Ausgaben mit etwas Patina gerichtet.

Kannapin – Tessin

von Herrn Salm, Oktober 2017 (BB201710-01)

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Nein, hier geht es nicht um den schönen Schweizer Kanton, auch geht es nicht um Briefmarken, sondern es handelt sich hier um zwei Namen, die manchen Briefe-Sammler aufhören lassen. Dieser Beitrag stellt zwei mehrbändige Werke vor, die der Feldpost-Liebhaber gerne zur Entschlüsselung der Feldpostnummern der meist markenlosen Briefe oder Karten benutzt und soweit möglich, auch den Standort der Einheit des Absenders oder Empfängers lokalisiert.

Zum einen sind dies die drei Bände von Norbert Kannapin aus den Jahren 1980-1982 „Die Deutsche Feldpostübersicht 1939-1945 – Vollständiges Verzeichnis der Feldpostnummern in numerischer Folge und deren Aufschlüsselung. Bearbeitet nach den im Bundesarchiv-Militärarchiv verwahrten Unterlagen des Heeresfeldpostmeisters.“ Hier spricht der Titel für sich.

Zum anderen sind es die ersten 14 Bände (von insgesamt 20) von Georg Tessin „Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945“. Ebenfalls bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, herausgegeben zwischen 1973 und 1980 mit zusammen fast 5000 Seiten.

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Der Leser findet im „Kannapin“ die Feldpostnummern 00001 bis 87919 auf über 1100 Seiten aufgelistet. Aus der fünfstelligen Nummer ergeben sich die entsprechenden Einheiten. Die gefundene Einheit, als Nummern- oder Namensverband, lässt sich dann in den 14 Tessin-Bänden weiter aufschlüsseln und oft genau lokalisieren. Jetzt weiß der Leser, ob sein Beleg einer Heimat-Ersatz-Abteilung zuzuordnen ist oder einem der wenigen U-Boot-Besatzungsmitgliedern eines bestimmten U-Bootes oder sogar im Dezember 1942 aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen wurde.

Die drei Bände von Norbert Kannapin sind doppelt im Bestand und können einzeln ausgeliehen werden, die 14 Tessin-Bände sind leider nicht entleihbar, jedoch können, bei Bedarf, von einzelnen Seiten Kopien erstellt werden

Die Philatelistische Bibliothek Hamburg hat weitere Werke von Norbert Kannapin im Bestand. Der Feldpost-Liebhaber findet noch eine Vielzahl an Literatur zur deutschen Feldpost im 2. Weltkrieg, wie z.B. die Rundbriefe der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost 1939-1945 e.V., den Michel Handbuch-Katalog Deutsche Feldpost 1937-1945, das Utz Tarnstempel Handbuch, diverse Werke von Klaus Böhm, Hans-Werner Salzmann, Gianfranco Mattiello und vieles nicht Genannte mehr.

Kannapin, Norbert, Die deutsche Feldpostübersicht 1939 – 1945, Signatur CK-B 24/1, CK-B 24/2, CK-B 24/3.

Fälschen von Postwertzeichen war kein Kavaliersdelikt.

von Herrn Schwanke, August 2017 (BB201708-01)

Wenn es um Fälschungen zum Schaden der Post ging, war zu keiner Zeit mit der staatlichen Obrigkeit zu spaßen. In der „Philatelisten-Zeitung, dem offiziellen Verbands-Organ des Deutschen Philatelisten- Verbandes“ (quasi also dem Vor-Vorgänger der heutigen philatelie) nimmt das Thema
Fälschungen schon im XX.Jahrgang von 1907 einen breiten Raum ein
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Auf Kunstdruck-Beilagen werden Postfälschungen z.B. von England (die 1 sh. grün „Stock Exchange“-Fälschung, die erst 26 Jahre nach ihrem Erscheinen im Jahre 1871, entdeckt wurde!), die berühmten Veroneser und Mailänder Postfälschungen von Lombardei-Venetien, zahlreiche spanische und griechische Postfälschungen, solche von Cuba, Haiti
u.a., gezeigt und beschrieben. Dem Sammler deutscher Briefmarken werden vielleicht eher die „Barmer“ oder die „Höchster Postfälschung“ (Dt.Reich Mi.Nr. 44 und 47) geläufig sein.

Gemeinsam ist allen diesen Fälschungen, dass sie heute ein Vielfaches (oft Tausendfaches!) der Originale kosten. Gesammelt wurden solche Stücke schon damals, wie z.B. ein Dauer-Kaufgesuch der Firma A.E.Glasewald zeigt. Die „Philatelisten-Zeitung“ aus dem Kaiserreich gibt zu dem Thema einen guten Überblick.

Philatelisten-Zeitung mit Fälschungs-Nachrichten, Hrsg. Glasewald, Gössnitz-Altenburg, Signatur Z18;
Jäschke-Lantelme,Michael. Die Postfälschungen des deutschen Kaiserreiches, Signatur CB- A53

Oldenburg 1867 - fast 1 Million Briefe im Großherzogtum!

von Frau Schwanke, Juni 2017 (BB201706-01)

In der Kürze liegt die Würze…., heutzutage sind viele Buchtitel kurz und prägnant, um Interesse zu wecken, früher teilte man eher durch den Titel und Untertitel möglichst viele Informationen zum Buchinhalt mit. Dies trifft auch auf das Werk zu, das  für Altdeutschlandsammler ein „Muß“ ist.

Hugo Krötzsch. Permanentes Handbuch der Postfreimarkenkunde mit Lichtdrucktafeln (und vierteljährigen Nachträgen) gleichzeitig Beibuch zum Permanent-Sammelwerk in losen Blättern.

Ausführliche Abhandlungen über Postfreimarken mit besonderer Berücksichtigung der Herstellungsweise, Auflagenhöhe, Echtheitsmerkmale, Probedrucke, Neudrucke, Markenfälschungen,  Entwertungen und deren Fälschungen. Erster Teil. Deutsche Staaten.

Damit ist der künftige Leser schon gut auf den Inhalt vorbereitet. In den Jahren 1893-1897 erschienen die Bände zu den altdeutschen Staaten (ohne Sachsen, Thurn & Taxis, Württemberg) und zur Deutschen Reichspost.

Am Beispiel „Oldenburg“ von 1894, bearbeitet von Paul Ohrt, sei erwähnt, dass zusätzlich zu den vielen im Titel genannten Bereichen auch Informationen enthalten sind zur Postverwaltung, zu Postverträgen oder auch kleine Statistiken, z.B. stieg das Aufkommen von frankierten Briefen von 1852 -ca 207 000-  bis 1867 auf ca 960 000! Kurzum die vielen Details sind interessant und nützlich.

Die Bände sind handlich, die festen Einbände meist ansehnlich gestaltet.

Oldenburg, Norddeutscher Postbezirk und Schleswig-Holstein liegen in Einzelbänden vor, auch die Sammelbände mit T.1-3, 5-9 sind im Original vorhanden, können eingesehen werden. Es gibt auch einen Reprint zur Ausleihe.

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Geschichtsstunde

von Herrn Schwanke, April 2017 (BB201704-01)

Bei Recherchen zu einem philatelistischen Thema des Dritten Reiches kommt man an den Amtsblättern des Reichspostministeriums nicht vorbei. Neben vielen Ausführungsbestimmungen und Regularien zum Dienstbetrieb der Deutschen Reichspost, zu Portostufen, Luftpostverbindungen etc. lesen wir in den letzten Kriegsjahren viel „Perfides“, z.B. über die Behandlung von Ostarbeitern bei der Reichspost, über Einziehung und Verrechnung von Rundfunkgebühren bei Ausgebombten und andere Dinge, die mit deutscher Gründlichkeit geregelt wurden.

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Die Meldung über die „Nichtankunft eines mit der Bahn versandten Kraftomnibusses (33-sitziger Büssing)“, der in Kiew zur Instand- setzung an die Bezirkswerkstatt für Postkraftwagen in Düsseldorf verladen wurde und nie dort ankam. „Die Nachforschungen nach seinem Verbleib bei der Transportleitung...sind ergebnislos geblieben. ...Im Auffindungsfalle ist die RPD Danzig zu verständigen...“, ist zweifellos in den unterhaltsamen Teil einzuordnen

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Die „Bekanntmachungen der Deutschen Reichspost“ dokumentieren aber ansonsten wie kaum ein anderes philatelistisches Werk den Untergang eines in Auflösung befindlichen Staates. Hochinteressant für den Philatelisten sind die Ankündigungen zu neu erscheinenden Briefmarken. Im Amtsblatt vom 30. Januar 1945 werden die letzten 5 Werte des Dritten Reiches angekündigt. Wie wir wissen, gelangte lediglich die Volkssturm-Marke im ganzen Reichsgebiet zum Verkauf, die SA/SS-Marken wurden nur noch in Berlin an Abonnenten ausgeliefert und die beiden Werte NSFK/NSKK existieren nur als Probedrucke und sind heute allererste Raritäten.

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Das letzte Amtsblatt erscheint am 10. April 1945. Man veröffentlicht „sozialversicherungs- sowie fürsorge- und vorsorgerechtliche Vorschriften für den Deutschen Volkssturm“ ! Und schreibt einen „Freien Dienstposten für Amtsvorsteher“ für das Postamt Gelsenkirchen-Buer aus. 150 km südwestlich, in Aachen, frankierte man zu diesem Zeitpunkt bereits seine Briefe mit AM-Post-Marken.

Quelle: Amtsblatt des Reichspostministeriums,
Bekanntmachungen der Deutschen Reichspost.

Der Bestand der Philatelistischen Bibliothek Hamburg reicht bis ins 19.Jahrhundert zurück und ist ab 1900 lückenlos.