Philatelistische Bibliothek Hamburg e. V.

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Buchtipps

Wir veröffentlichen von Zeit zu Zeit Buchempfehlungen aus der Philatelistischen Bibliothek Hamburg. Da Neuerscheinungen meist in den einschlägigen Blättern besprochen werden, ist unser Focus in erster Linie auf Ausgaben mit etwas Patina gerichtet.

A Million Dollars an Ounce

von Herrn Schwanke, August 2018 (BB201808-01)

Was wäre, wenn das NS-Regime auch Briefmarken mit der gleichen „Gründlichkeit“ geraubt hätte, wie es dies mit Kunstgegenständen, Gemälden, Gold, Juwelen und anderen Wertgegenständen im 2.Weltkrieg tat? In „A Million Dollar An Ounce“ von M.John Lubetkin ist genau dies der Ausgangspunkt einer Geschichte, in der sich Wahrheit und Fiktion zu einem rasanten Plot vermengen.

Als in den ersten Maitagen des Jahres 1945 das 3.Reich untergeht, flieht Hermann Seis, ein hoher Nazi-Funktionär und einer der Hauptakteure des Nazi-Programms zur Requirierung von Briefmarken, mit einem speziellen Gürtel um den Bauch, der den größten Teil der wertvollsten Stücke enthält. Er hofft, über die Elbe zu entkommen. Aber in der Nähe von Ludwigslust ist die Flucht zu Ende – er wird gefangen genommen von US Army Capt. Harry Strong von der 82.Luftlande-Division. Strong, der – halbjüdisch – mit seinem Vater und seiner Schwester in den 1930er Jahren nach Amerika geflohen ist, spricht fließend Deutsch und er, der als junger Mensch Briefmarken gesammelt hat, „riecht den Braten“ und enttarnt mit seinem Team den flüchtenden, als Zivilist getarnten Hermann Seis. Seis wird bei der Festnahme erschossen. Harry Strong nimmt die Marken an sich. Die weitere Geschichte spielt sich überwiegend im New York der frühen Nachkriegszeit ab.

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Strong, nunmehr im zivilen Leben zurück und auf der Karriereleiter einer Baufirma aufsteigend, verkauft die Briefmarken, mit der Hilfe eines bekannten Gangsterbosses, der Verbindungen hat (oder knüpft) zu Briefmarken-Experten, zu Auktionshäusern und – last but not least – zu israelischen Organisaionen wie dem Mossad (an den später Erlöse aus Harry`s Briefmarkenverkäufen gehen). Zum Showdown kommt es, als der Bruder Franz des 1945 ums Leben gekommenen Hermann Seis, „seine“ Briefmarken zurückerlangen will. Franz Seis, wie sein Bruder ehemals in hoher SS-Funktion, arbeitet nach Verbüßung eines Teils seiner Haftstrafe eigentlich für die „Guten“, nämlich für die Gruppe Gehlen, dem späteren Bundesnachrichtendienst. Seis macht sich auf den Weg nach New York, er will neben seinen Briefmarken auch persönlich Rache nehmen für den Tod seines Bruders. Mehr sei hier nicht verraten.

Ja, der „Plot“ ist insgesamt stimmig, so könnte es gewesen sein. Lubetkin erzählt seine Geschichte in kurzen, szenisch wechselnden Abschnitten, die der Dynamik des sich entwickelnden und auf das unausweichliche Ende hinsteuernden Geschehens entsprechen. Dabei gibt es aber für mich einige Schwächen. Insbesondere die meisten Charaktere bleiben „leblos“ oder „hölzern“; mit seinem Helden, Harry Strong, kann ich mich bis zum Ende nicht identifizieren. Die „Bösen“ kann man von Herzen hassen. Harry`s Gegenspieler, der ex-SS-Offizier Franz Seis, erfüllt alle Klischees eines solchen Charakters aus bekannter NS-Literatur. Die anderen Bösen (die New Yorker Gangsterwelt) kommen da fast zu gut weg. Meyer Lansky, Lucky Luciano und Bugsy Siegel sind historische Gestalten, die nicht gerade mit Heiligenscheinen herumliefen. Klischeehaft sind auch die Sexszenen und die Beziehungs- und Liebesgeschichten, die Stereotype verarbeiten, wenn der Autor die nach dem 1.Weltkrieg herrschende Männerknappheit in England und Frankreich mit der Promiskuität deutscher Frauen nach 1945 als Vergleich bemüht.

Ja, und dann die Philatelie. Lubetkin bemüht bekannte Namen. Col. H. Green (der als „Brown“ daherkommt) oder die Firma H.R.Harmer („they sold Roosevelt s collection“) sind nur zwei davon; unglaubwürdig wird es, wenn Harry Strong Meyer Lansky beim ersten Zusammentreffen erzählt, von den „kopfstehenden Jennies“ hätte er allein 7 Stück, darunter einen Viererblock! Doch bei diesen kritischen Anmerkungen möchte ich es belassen. Insgesamt ist es ein packender, aktionsgeladener Krimi, und es erfreut einen Philatelisten, wenn einmal die Briefmarke der „spiritus rector“ für einen Roman ist.

DOCTOR OF MILLIONS

von Herrn Schwanke, August 2018 (BB201808-02)

The rise and fall of stamp king Dr. Paul Singer – so lautet der Untertitel des Buches von Seamus Brady, der als Reporter des „Daily Express“ den Aufstieg und Fall des Dr. Paul Singer schildert, als Zeitzeuge des spektakulären Zusammenbruchs der Shanahan-Auktionen und des darauf folgenden Gerichtsverfahren, das bis heute in der irischen Gerichtsbarkeit keine Parallelen kennt.

Die Geschichte katapultiert uns zurück ins Jahr 1954, als eben dieser Dr. Singer beim altehrwürdigen Auktionshaus Shanahan in Dublin über die Schwelle tritt und die Inhaber davon überzeugt, dass eine Abteilung „Briefmarken“ dem Auktionshaus nur Glück und Segen bringen kann. Singer ist der „Macher“, finanzielle Möglichkeiten schafft er durch sein „Ponzi-Schema“, und er ist es, der die sensationellsten philatelistischen Stücke „aufreißt“. Wenn man die Angebote der Shanahan-Kataloge ansieht, gehen auch „gestandenen“ Philatelisten heute noch die Augen über. Glanz und Gloria und rauschende Feste, bei denen kein Auge trocken bleibt. Die Firma erscheint regelmässig nicht nur in der Dubliner Tagespresse. Dr. Paul Singer, der 2-Meter-Mann, der sich feiert, und, wenn er von einer Akquisitions-Tour zurückkommt, seine Mitarbeiter Spalier stehen und einen fröhlichen Gesang „And he is a jolly good fellow…“ anstimmen läßt, ist eine eindrucksvolle Erscheinung!

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Das Ende der glanzvollen Shanahan-Auktionen kennen ältere Philatelisten. Es war der bis dahin größte „Phila-Crash“ der Geschichte. Seamus Bradys Buch widmet sich aber besonders der (gerichtlichen) Aufarbeitung „danach“. Schon einmal zu lesen, mit welchen Argumenten und Tricks sich Singer in dem Verfahren selbst verteidigt, dürfte auch für heutige Juristen höchst spannend sein.Philatelisten werden allemal auf ihre Kosten kommen.

Doctor of Millions. Seamus Brady
Tralee, Irland, 1965. 176 S., Broschiert.
In englischer Sprache. Nur antiquarisch erhältlich.

Stamp of the Century

von Herrn Schwanke, Juni 2018 (BB201806-01)

Dies ist ein bemerkenswertes Buch. Es geht um die „Inverted Jenny“, den
kopfstehenden kleinen Doppeldecker auf der ersten amerikanischen Flugpostausgabe, der 24c.-Marke aus dem Jahre 1918.

Über die Marke ist viel geschrieben worden, auch einige Bücher. Doch dieses neue Buch, erschienen zum „100.Geburtstag“ ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Da ist zunächst die Entstehungsgeschichte dieser wohl berühmtesten amerikanischen Briefmarke, die im Mai 1918 aus Anlass des ersten Luftpostdienstes zwischen Washington, Philadelphia und New York erschien. In bisher unbekannten Fotos lernen wir den glücklichen Finder, William Robey, kennen, der den Bogen mit der kopfstehenden Jenny am Postschalter erwirbt (und es sollte der einzige Bogen bleiben), der ihn dann an den Briefmarkenhändler Eugene Klein in Philadelphia verkauft und der wiederum ihn nur ein paar Tage später an Colonel Edward H.R.Green veräußert.

Green trennt sich einige markante Blockstücke aus dem Bogen heraus und übergibt den Rest wieder an Eugene Klein zum Verkauf. Die Käuferliste der so vereinzelten Stücke liest sich wie das „Who is who?“ der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Eisenbahn- und Ölmagnaten, Wall Street-Größen und Kongreßabgeordnete werden vorgestellt; weit zurück zu den großen Familien des 19.Jahrhunderts und den Nachfolgern der Bürgerkriegsveteranen gehen die Recherchen der Autorinnen Kellen Diamanti und Deborah Fischer, die zudem eine Fülle bisher unbekannten Fotomaterials präsentieren können.

Eingebettet werden die Kapitel über die vielen stolzen Besitzer in die historischen Zeitläufte. Die Entwicklung des Flugverkehrs und die damit zusammenhängende Entwicklung der Luftpostphilatelie – dargestellt in Schilderungen der großen philatelistischen Ausstellungen – ist ebenso Thema wie die grossen Katastrophen des 20.Jahrhunderts (z.B. der Depression von 1928 und den langen Schatten des 2.Weltkrieges), die ihre dramatischen Spuren hinterließen und ihre Auswirkungen auf Käufe und Verkäufe von Inverted Jennys hatten.

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Ein weiterer Aspekt, den die Autorinnen ausgiebig untersuchen, ist die Preisentwicklung. Die Inverted Jenny war zu keinem Zeitpunkt „billig“. Als Eugene Klein in Greens Auftrag im Jahre 1918 begann, die restlichen Stücke zu detaillieren, verlangte er 250 Dollar für ein vierseitig gezähntes Exemplar. Nach heutigem Gelde dürfte dies einem Kaufkraftwert von ca. 4000 Dollar entsprochen haben. Das war vor 100 Jahren für den viel zitierten „Normalsammler“ ein kaum erschwinglicher Preis.

Im 21.Jahrhundert auf Auktionen angeboten, erzielt eine Inverted Jenny Zuschläge ab 300.000 Dollar aufwärts, je nach Qualität (der Zentrierung); rekordbrechend der Zuschlag von 1.175.000 Dollar für eines der am besten zentrierten Exemplare auf der Raritäten-Auktion von Robert Siegel in New York 2016. um die „Inverted Jenny“, den kopfstehenden kleinen Doppeldecker auf der ersten amerikanischen Flugpostausgabe, der 24c.-Marke aus dem Jahre 1918.

Man darf fragen, warum dieser Fehldruck solche Preise erzielt, zumal doch immerhin 98 der ursprünglich vorhandenen 100 Stücke als existent nachweisbar sind. (Der jüngst erreichte Preis von 270.000 CHF für einen „kopfstehenden Schwan“ Westaustraliens, von dem es nur 14 Stücke gibt, die Hälfte davon in Museen, mutet im Vergleich lächerlich an!). Die Frage ist aber rhetorisch, genauso wie auch die Frage „Was wird die Zukunft für die kopfstehende Jenny bringen, bei der rapide schwindenden Zahl von Sammlern?“

Diamanti und Fisher geben auch gleich die Antwort: Heutige Käufer wollen nicht „nach alter Väter Sitte“ eine Lücke im Album schließen; ein spektakuläres Stück muss es sein, dem ein Zauber innewohnen sollte - „a thing with noise“, wie es der amerikanische Schuh-Designer Stuart Weitzman ausdrückte (der Käufer der 1c. Magenta von British Guiana).

Die Jenny Invert ist eben die meist ikonische Marke (und nicht nur auf die USA bezogen!) des 20.Jahrhunderts – The Stamp of the Century.


Stamp of the Century. Diamanti,Kellen u. Deborah Fisher
APS, Bellefonte, PA. 2018, 403 Seiten, zahlreiche Abb., Tabellen, Karten, broschiert
ISBN 978-0-933580831

Geschafft - The London Philatelist komplett von 1892 bis 2017!

von Frau Schwanke, Mai 2018 (BB201805-01)

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The London Philatelist -

diese berühmte Fachzeitschrift steht in unserer Bibliothek nun komplett zur Verfügung.

Dank einer größeren Spende konnte die Bibliothek den vorhandenen Bestand vervoll-
ständigen, so dass wir jetzt alle Ausgaben ab 1892 vorhalten. Die Zeitschrift wird heraus- gegeben von der Royal Philatelie Society,
dem ältesten Philatelistenverein der Welt.

In der Fachzeitschrift veröffentlicht sind
Fachartikel, Buchbesprechungen, Vereins- meldungen, Werbung u.a. Da es sich um einen ursprünglich sehr elitären Verein handelte, sind viele Beiträge von namhaften Sammlern zu finden. Die Inhalte befassen sich mit
der Philatelie und Postgeschichte weltweit.

Dieser Bestand reizt zum Stöbern!!

Kennen Sie den „Great Barrier Island Pigeongram Service“?

von Frau Schwanke, Mai 2018 (BB201805-02)

Posttransport fand oft auf ungewöhnliche Weise statt, da ist die
Verwendung von Tauben schon recht geläufig. In diesem Fall handelt es
sich um Verbindung zwischen dem „Great Barrier Island“ vor der Küste Neuseelands und dem Festland.

Im 19. Jahrhundert entdeckte man auf der Insel Kupfervorkommen, später auch Gold und Silber und das zog naturgemäß Abenteurer und Unternehmer an. Es gab aber nur einmal in der Woche eine Schiffsverbindung und so entstand die Idee zusätzlich eine tägliche Brieftaubenverbindung zu schaffen - in der Blütezeit mit über 300 Tauben! Konkurrenz belebte dieses Geschäft und auch die Herausgabe von Briefmarken - das Ende der Geschichte kam, als ein Verbindungskabel 1908 Auckland mit der Insel verband.

Dieser historische Bericht findet sich in dem Buch „Lost Countries“ ,
in dem über viele kleine Staaten berichtet wird, die nur für kurze Zeit
einen Platz in der Geschichte eingenommen haben,
aber eine Spur hinterlassen haben - eigene Briefmarkenausgaben!
Interessante kurze Texte und farbige Abbildungen der Briefmarken
versprechen eine unterhaltsame Lektüre. Vielleicht entdeckt der Leser
sogar bei den Marken ein Exemplar, dass ihm
in eigenen Beständen schon einmal Rätsel aufgegeben hat!

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Stuart Laycock; Chris West. Lost Countries. Exotic tales from an old stamp album. 2017.
255 S., farb. Abb., fest gebunden.

British Letter Mail to Overseas Destinations
1840 to UPD

von Frau Schwanke, April 2018 (BB201804-01)

Ein Werk, nicht nur für Großbritanniensammler,
sondern für alle Postgeschichtler interessant !

Es stellt die Postraten, die Postrouten und die Postverträge für die britische Briefpost von 1840 bis zur UPU dar. Dabei werden die Routen und Gebühren bis in die kleinsten und entferntesten Gebiete tabellarisch aufgelistet. Zusätzlich sind Währungs- und Gewichtsumrechnungen in Tabellen erfaßt, ebenso besondere Beförderungen wie Einschreiben, Drucksachen, Zeitungs-und Mustersendungen,„late fee“ oder „zurück“- Vermerke. Entsprechende Belege sind farbig abgebildet.

Das fest gebundene Werk wurde von der Royal Philatelie Society London herausgegeben.

Jane and Michael Moubray. British Letter Mail to Overseas Destinations 1840 to UPU. 2.edition. 2017. XIII,511 S. , mit farb. Abb

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Drittes Reich. Ein Bildband und Erinnerungen.

von Frau Schwanke, April 2018 (BB201804-02)

Der Autor, Wolfgang Jakubek, ist vielen seit Jahren bekannt. In früheren Jahren sorgte er häufig mit seinen Auktionen für Aufsehen, in späteren Jahren fanden seine Publikationen ein großes Echo. Nun hat Herr Jakubek in einem sehr umfangreichen Werk zwei Bereiche vereint.

Zum einen erfährt der Leser vieles aus dem Leben des Autor in seiner Jugend ab 1936 und in der Nachkriegszeit, in der er sich seine Laufbahn als Berufsphilatelist entwickelte.

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Im Berlin der Nachkriegszeit begegneten ihm viele bekannte, interessante und auch manchmal skurrile Menschen, über die er unterhaltsam zu berichten weiß. Zum anderen geht es um die Briefmarken des Dritten Reiches, die ab 1938 in der Wiener Staatsdruckerei gedruckt wurden.

Eine wohl einmalig umfangreiche Sammlung von Entwürfen und Probedrucken in großer Vielfalt wird hier vorgestellt, jede Marke excellent dargestellt.

So ist das Buch einerseits eine spannende Lektüre für geschichtsinteressierte Leser, aber zugleich eine besondere Studienquelle für den Spezialsammler.


Wolfgang Jakubek. Drittes Reich.
Ein Bildband und Erinnerungen. 2017.
2 Bände, zus. 840 S., mit zahlr. Abb.
Lim.Aufl.

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Kannapin – Tessin

von Herrn Salm, Oktober 2017 (BB201710-01)

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Nein, hier geht es nicht um den schönen Schweizer Kanton, auch geht es nicht um Briefmarken, sondern es handelt sich hier um zwei Namen, die manchen Briefe-Sammler aufhören lassen. Dieser Beitrag stellt zwei mehrbändige Werke vor, die der Feldpost-Liebhaber gerne zur Entschlüsselung der Feldpostnummern der meist markenlosen Briefe oder Karten benutzt und soweit möglich, auch den Standort der Einheit des Absenders oder Empfängers lokalisiert.

Zum einen sind dies die drei Bände von Norbert Kannapin aus den Jahren 1980-1982 „Die Deutsche Feldpostübersicht 1939-1945 – Vollständiges Verzeichnis der Feldpostnummern in numerischer Folge und deren Aufschlüsselung. Bearbeitet nach den im Bundesarchiv-Militärarchiv verwahrten Unterlagen des Heeresfeldpostmeisters.“ Hier spricht der Titel für sich.

Zum anderen sind es die ersten 14 Bände (von insgesamt 20) von Georg Tessin „Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945“. Ebenfalls bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, herausgegeben zwischen 1973 und 1980 mit zusammen fast 5000 Seiten.

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Der Leser findet im „Kannapin“ die Feldpostnummern 00001 bis 87919 auf über 1100 Seiten aufgelistet. Aus der fünfstelligen Nummer ergeben sich die entsprechenden Einheiten. Die gefundene Einheit, als Nummern- oder Namensverband, lässt sich dann in den 14 Tessin-Bänden weiter aufschlüsseln und oft genau lokalisieren. Jetzt weiß der Leser, ob sein Beleg einer Heimat-Ersatz-Abteilung zuzuordnen ist oder einem der wenigen U-Boot-Besatzungsmitgliedern eines bestimmten U-Bootes oder sogar im Dezember 1942 aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen wurde.

Die drei Bände von Norbert Kannapin sind doppelt im Bestand und können einzeln ausgeliehen werden, die 14 Tessin-Bände sind leider nicht entleihbar, jedoch können, bei Bedarf, von einzelnen Seiten Kopien erstellt werden

Die Philatelistische Bibliothek Hamburg hat weitere Werke von Norbert Kannapin im Bestand. Der Feldpost-Liebhaber findet noch eine Vielzahl an Literatur zur deutschen Feldpost im 2. Weltkrieg, wie z.B. die Rundbriefe der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost 1939-1945 e.V., den Michel Handbuch-Katalog Deutsche Feldpost 1937-1945, das Utz Tarnstempel Handbuch, diverse Werke von Klaus Böhm, Hans-Werner Salzmann, Gianfranco Mattiello und vieles nicht Genannte mehr.

Kannapin, Norbert, Die deutsche Feldpostübersicht 1939 – 1945, Signatur CK-B 24/1, CK-B 24/2, CK-B 24/3.

Fälschen von Postwertzeichen war kein Kavaliersdelikt.

von Herrn Schwanke, August 2017 (BB201708-01)

Wenn es um Fälschungen zum Schaden der Post ging, war zu keiner Zeit mit der staatlichen Obrigkeit zu spaßen. In der „Philatelisten-Zeitung, dem offiziellen Verbands-Organ des Deutschen Philatelisten- Verbandes“ (quasi also dem Vor-Vorgänger der heutigen philatelie) nimmt das Thema
Fälschungen schon im XX.Jahrgang von 1907 einen breiten Raum ein
.

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Auf Kunstdruck-Beilagen werden Postfälschungen z.B. von England (die 1 sh. grün „Stock Exchange“-Fälschung, die erst 26 Jahre nach ihrem Erscheinen im Jahre 1871, entdeckt wurde!), die berühmten Veroneser und Mailänder Postfälschungen von Lombardei-Venetien, zahlreiche spanische und griechische Postfälschungen, solche von Cuba, Haiti
u.a., gezeigt und beschrieben. Dem Sammler deutscher Briefmarken werden vielleicht eher die „Barmer“ oder die „Höchster Postfälschung“ (Dt.Reich Mi.Nr. 44 und 47) geläufig sein.

Gemeinsam ist allen diesen Fälschungen, dass sie heute ein Vielfaches (oft Tausendfaches!) der Originale kosten. Gesammelt wurden solche Stücke schon damals, wie z.B. ein Dauer-Kaufgesuch der Firma A.E.Glasewald zeigt. Die „Philatelisten-Zeitung“ aus dem Kaiserreich gibt zu dem Thema einen guten Überblick.

Philatelisten-Zeitung mit Fälschungs-Nachrichten, Hrsg. Glasewald, Gössnitz-Altenburg, Signatur Z18;
Jäschke-Lantelme,Michael. Die Postfälschungen des deutschen Kaiserreiches, Signatur CB- A53

Oldenburg 1867 - fast 1 Million Briefe im Großherzogtum!

von Frau Schwanke, Juni 2017 (BB201706-01)

In der Kürze liegt die Würze…., heutzutage sind viele Buchtitel kurz und prägnant, um Interesse zu wecken, früher teilte man eher durch den Titel und Untertitel möglichst viele Informationen zum Buchinhalt mit. Dies trifft auch auf das Werk zu, das  für Altdeutschlandsammler ein „Muß“ ist.

Hugo Krötzsch. Permanentes Handbuch der Postfreimarkenkunde mit Lichtdrucktafeln (und vierteljährigen Nachträgen) gleichzeitig Beibuch zum Permanent-Sammelwerk in losen Blättern.

Ausführliche Abhandlungen über Postfreimarken mit besonderer Berücksichtigung der Herstellungsweise, Auflagenhöhe, Echtheitsmerkmale, Probedrucke, Neudrucke, Markenfälschungen,  Entwertungen und deren Fälschungen. Erster Teil. Deutsche Staaten.

Damit ist der künftige Leser schon gut auf den Inhalt vorbereitet. In den Jahren 1893-1897 erschienen die Bände zu den altdeutschen Staaten (ohne Sachsen, Thurn & Taxis, Württemberg) und zur Deutschen Reichspost.

Am Beispiel „Oldenburg“ von 1894, bearbeitet von Paul Ohrt, sei erwähnt, dass zusätzlich zu den vielen im Titel genannten Bereichen auch Informationen enthalten sind zur Postverwaltung, zu Postverträgen oder auch kleine Statistiken, z.B. stieg das Aufkommen von frankierten Briefen von 1852 -ca 207 000-  bis 1867 auf ca 960 000! Kurzum die vielen Details sind interessant und nützlich.

Die Bände sind handlich, die festen Einbände meist ansehnlich gestaltet.

Oldenburg, Norddeutscher Postbezirk und Schleswig-Holstein liegen in Einzelbänden vor, auch die Sammelbände mit T.1-3, 5-9 sind im Original vorhanden, können eingesehen werden. Es gibt auch einen Reprint zur Ausleihe.

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Geschichtsstunde

von Herrn Schwanke, April 2017 (BB201704-01)

Bei Recherchen zu einem philatelistischen Thema des Dritten Reiches kommt man an den Amtsblättern des Reichspostministeriums nicht vorbei. Neben vielen Ausführungsbestimmungen und Regularien zum Dienstbetrieb der Deutschen Reichspost, zu Portostufen, Luftpostverbindungen etc. lesen wir in den letzten Kriegsjahren viel „Perfides“, z.B. über die Behandlung von Ostarbeitern bei der Reichspost, über Einziehung und Verrechnung von Rundfunkgebühren bei Ausgebombten und andere Dinge, die mit deutscher Gründlichkeit geregelt wurden.

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Die Meldung über die „Nichtankunft eines mit der Bahn versandten Kraftomnibusses (33-sitziger Büssing)“, der in Kiew zur Instand- setzung an die Bezirkswerkstatt für Postkraftwagen in Düsseldorf verladen wurde und nie dort ankam. „Die Nachforschungen nach seinem Verbleib bei der Transportleitung...sind ergebnislos geblieben. ...Im Auffindungsfalle ist die RPD Danzig zu verständigen...“, ist zweifellos in den unterhaltsamen Teil einzuordnen

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Die „Bekanntmachungen der Deutschen Reichspost“ dokumentieren aber ansonsten wie kaum ein anderes philatelistisches Werk den Untergang eines in Auflösung befindlichen Staates. Hochinteressant für den Philatelisten sind die Ankündigungen zu neu erscheinenden Briefmarken. Im Amtsblatt vom 30. Januar 1945 werden die letzten 5 Werte des Dritten Reiches angekündigt. Wie wir wissen, gelangte lediglich die Volkssturm-Marke im ganzen Reichsgebiet zum Verkauf, die SA/SS-Marken wurden nur noch in Berlin an Abonnenten ausgeliefert und die beiden Werte NSFK/NSKK existieren nur als Probedrucke und sind heute allererste Raritäten.

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Das letzte Amtsblatt erscheint am 10. April 1945. Man veröffentlicht „sozialversicherungs- sowie fürsorge- und vorsorgerechtliche Vorschriften für den Deutschen Volkssturm“ ! Und schreibt einen „Freien Dienstposten für Amtsvorsteher“ für das Postamt Gelsenkirchen-Buer aus. 150 km südwestlich, in Aachen, frankierte man zu diesem Zeitpunkt bereits seine Briefe mit AM-Post-Marken.

Quelle: Amtsblatt des Reichspostministeriums,
Bekanntmachungen der Deutschen Reichspost.

Der Bestand der Philatelistischen Bibliothek Hamburg reicht bis ins 19.Jahrhundert zurück und ist ab 1900 lückenlos.